Industrie und Globalisierung

Im 19. Jahrhundert standen große Entwicklungen und Umbrüche im Vordergrund. Technik, Wirtschaft, Herrschaftsverhältnisse, das soziale Gefüge und vieles mehr veränderten sich rasant. Bereits während der Dreiherrschaft gab es in Fürth eine verhältnismäßig große Gewerbefreiheit, da viele Handwerke ohne Zunftzwang ausgeübt werden konnten. Das schuf eine wichtige Grundlage für die einsetzende Industrialisierung, nachdem Fürth unter Preußen ab 1792 geeint und 1806 Bayern angegliedert wurde.

Der 1864 erbaute Staatsbahnhof © Stadtmuseum Fürth

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Fürth die ersten Industriebetriebe gegründet. Den Anfang machte 1842 Johann Wilhelm Engelhardt, der in seiner Maschinenfabrik die erste Dampfmaschine in Fürth aufstellte und später diese Geräte selbst produzierte. Die zunehmende maschinelle Erzeugung von Gütern zog das Entstehen von großen Fabriken mit Arbeitsteilung, Mechanisierung und Rationalisierung der Produktionsabläufe nach sich. Neue Waren konnten schnell und in großen Mengen hergestellt werden. In Fürth bildeten sich wichtige Industriezweige wie z. B. die Spiegelfabrikation, die Bronzefarbenherstellung und das Brauereiwesen heraus. Durch den vermehrten Einsatz von Dampfmaschinen im Verkehr beschleunigte sich der Personen- und vor allem Warentransport enorm. Die erste deutsche Eisenbahn, die Ludwigseisenbahn zwischen Fürth und Nürnberg, war der Vorreiter dieser Entwicklung.

Der Einsatz von Dampfmaschinen war sowohl in der Beschaffung als auch im Gebrauch sehr kostenintensiv. Deswegen konnten sich die Einführung dieser Produktionstechnik bis 1861 nur zehn Fürther Betriebe erlauben. Dies änderte sich allerdings in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn während der Gründerzeit ab ungefähr 1880 betrug die Anzahl der Firmen mit Dampfmaschinen in Fürth das ca. Zehnfache. Dazu kamen noch Betriebe, die mit Wasserkraft oder Gasmotoren arbeiteten. Durch die Steigerung der Produktion wuchsen auch die Fabriken. Bald wurde es an ihren ursprünglichen Standorten in der Fürther Innenstadt zu eng. Alternativen bot z. B. die ab den 1860er Jahren entstehende Südstadt, die neben viel Platz für große Fabrikkomplexe auch manchem Betrieb einen direkten Staatsbahnanschluss bieten konnte, oder der Osten der Stadt, wo viele Verwaltungsgebäude entstanden.

Industriebetriebe stellten zudem eine weitaus größere Anzahl an Arbeitsplätzen zur Verfügung als zuvor. Daher zogen viele Menschen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, aus dem Umland in die städtischen Zentren, wo es bald durch Wohnraumnot, Nahrungsmangel und schlechte Arbeitsbedingungen zu sozialen Problemen kam. Auch die Spiegelindustrie in Fürth trug maßgeblich durch die Quecksilberbelastung nicht nur zu gesundheitlicher Gefährdung der Arbeiter bei, sondern beeinträchtigte ebenfalls Leben und Gesundheit der Familienangehörigen und belastete durch unsachgemäße Rückstandsentsorgung Arbeitsstätten und Grundstücke.





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