Leben und leben lassen

Eine Stadt mit vielen Gesichtern
Fürths Beliebtheit als Wohn-, Arbeits- und Wohlfühlstadt ist historisch belegt durch die Offenheit und Toleranz gegenüber ethnischen Minderheiten, die im Ort schon immer mehr Freiheit erhielten als in anderen Gemeinden. Der Zuzug besonders auch jüdischer Mitbürger tat früh ein Übriges, Bildung, soziale Errungenschaften, Kultur und Kunst maßgeblich zu beeinflussen. Der positive Einfluss auf die gesellschaftspolitische Entwicklung trug durch die Jahrhunderte reiche Früchte und bedingte das weltoffene Klima der Stadt. Dass es in Fürth gelungen ist, Weltoffenheit und ethnische Vielfalt zu einem harmonischen Stadtgefüge zusammenzufassen, beweist die mehrfache Auszeichnung "sicherste Stadt in Bayern" zu sein.

Denkmalstadt
Da Fürth währen des Zweiten Weltkriegs von alliierten Bombenangriffen weitestgehend verschont wurde, ist bis heute ein Großteil des historischen Stadtbilds erhalten geblieben. Gemessen an der Einwohnerzahl weist Fürth mit über 2.000 Baudenkmälern die höchste Denkmaldichte in ganz Bayern auf. Und daher ist jeder Spaziergang durch Fürth auch immer eine kleine Zeitreise durch die Stadtgeschichte: Die Kirche St. Michael, das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt, kann Bauteile aufweisen, die bis in die Zeit vor 1.500 zurückreichen. Das über siebzig Meter lange Sandsteinschloss in Burgfarrnbach gehört zu den wenigen klassizistischen Schlossanlagen Bayerns. Und mit seiner großzügig gegliederten, figurativ geschmückten Neubarockfassade ist das Fürther Stadttheater einer der eindrücklichsten Repräsentativbauten des Historismus in ganz Mittelfranken.
Wie in kaum einer zweiten deutschen Großstadt lässt sich in Fürth die historische Entwicklung der Stadt Phase für Phase am Stadtbild ablesen: Zahlreiche Baudenkmäler und viele geschlossene Straßenbilder zeugen bis heute vom baulichen Werdegang der Stadt - vom kleinstädtischen Altstadtkern, der nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet wurde, bis hin zu den großstädtischen Ensembles der Gründerzeit.
Besonders zwei Prachtstraßen aus der Fürther Belle Époque sind hierfür ein eindrucksvolles Beispiel: die Hornschuchpromenade und die Königswarterstraße. In diesen eleganten Straßenzeilen etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts der vornehmste Wohnbezirk des wohlhabenden Fürther Bürgertums. Die Architektur der beiden Prachtpromenaden besticht durch repräsentative Sandsteinfassaden, die stilistisch vom Neubarock bis zum Jugendstil reichen. Sie spiegeln den Reichtum und das Geltungsbedürfnis der großbürgerlichen Bauherren wider. Bis heute hat sich in diesen beiden Straßen ein geschlossenes architektonisches Gesamtbild erhalten, das vor über hundert Jahren organisch gewachsen ist.

 

Prachtstraßen spiegeln die Prosperität wider. Foto © Stadtmuseum

 


Kulturstadt Fürth
Auch kulturell hat Fürth überdurchschnittlich viel zu bieten. Eine breitgefächerte Theaterlandschaft mit Stadttheater, Kulturforum, Stadthalle und Off-Theatern, eine blühende Kunst- und Galerieszene, die von Ateliergemeinschaften über den Kulturring C bis zur Städtischen Galerie der Bildenden Kunst Raum gibt, eine rege Literaturszene u. a. mit LesArt sowie ein agiles Vereinswesen, das sich u.a. mit der Geschichte und kulturhistorischen Entwicklung des Ortes befasst, jedes Segment ist für eine Stadt dieser Größe überproportional gut vertreten. Seit vielen Jahren sind die unterschiedlichen Festivals, die in Fürth statt finden, Publikumsmagnete und gleichermaßen identifikationsstiftende Maßnahmen. Besonders das Klezmer Festival, "ist und bleibt Ausdruck unserer besonderen Verbundenheit zur besonderen jüdischen Tradition und Geschichte Fürths."  Das FigurentheaterFestival hat eine ganze Generation lang die internationale Szene in die Stadt geholt. Aber auch das jährlich veranstaltete Fürth Festival oder das New Orleans Festival tragen dem Feierbedürfnis und dem kulturellen Ausdruck Rechnung. Das private Engagement, die hohe Akzeptanz der Bevölkerung, wie auch die große finanzielle und ideelle Unterstützung der Stadt sorgen für einen lebendigen und virilen Kulturraum.

 

Wissenschaftsstadt Fürth
"Ein Namenszusatz, den wir uns hart erarbeitet haben und auf den wir sehr stolz sind. Die neue Bezeichnung stellt klar, dass wir in diesen Bereichen in der ersten Liga mitmischen", so OB Dr. Thomas Jung. Fürth erhielt die Auszeichnung als erste Kommune des Freistaats. Mit ihr, so erklärt das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zusammen mit dem Bayerischen Innenministerium, werde Fürth "die Möglichkeit gegeben, den besonderen wissenschaftlichen Status, den die verschiedenen Einrichtungen von Wissenschaft, Forschung und Lehre der Stadt verleihen, nach Außen zu dokumentieren". Zu verdanken ist die Auszeichnung den zahlreichen Fürther Firmen, die durch ihre innovativen Leistungen dazu beitragen, Zukunft in Fortschritt zu verwandeln. Und dies nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht, sondern auch in wirtschaftlicher, indem sie Fürth zu ökonomischem Wachstum verhelfen, neue Arbeitsplätze schaffen und die Stadt zu einem attraktiven Standort für neue Unternehmen und Einrichtungen machen. Fürths Innovationsdynamik tritt besonders in vier Bereichen hervor: Solartechnologie, Industrie, Sicherheit und Neue Materialien. Sie gelten als Keimzellen der Wissenschaftsstadt. In diesen und anderen Gebieten hat nicht zuletzt das Ineinandergreifen von Forschung und Praxis Fürth zu einer Stadt gemacht, von der wegweisende Impulse ausgehen, die weit über die Stadtgrenzen hinausführen.

Universitätsstadt Fürth
Schon Anfang des 17. Jahrhunderts war Fürth erstmals Universitätsstadt, denn die jüdische Gemeinde errichtete eine Talmud-Hochschule. Wie ernst es der Stadt mit der Bildung ihrer Bevölkerung war, bewies bereits 1767 der erste Neubau einer Schule an der Königstraße, auch wenn 1795 erst offiziell 26 Kinder zur Schule gingen. 1806 existierten zwei schulgeldpflichtige Schulen am Ort,  und bevor 1811 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, besuchten bereits 1.533 Kinder die unterschiedlichen Schulen. Und auch die Mädchen kamen bildungsmäßig nicht zu kurz, denn 1811 gab es eine Mädchenschule an der Michaeliskirche. Ausbildungsstätten wie die Diakonissensanstalt sorgen schon früh für Chancengleichheit, und auch volksbildende Einrichtungen wie das kostenlos zu benutzende Berolzheimerianum hoben den allgemeinen Bildungsstand. Die bereits 1901 einsetzende Lernmittelfreiheit an den Schulen war weiterer Garant für klassenlose Bildungsmöglichkeiten. Dass Fürth 2006 offiziell zur Universitätsstadt gekürt wurde, war zwar unmittelbar der Dependance der Universität Erlangen-Nürnberg, des Uniforschungszentrums in der Uferstadt, zu verdanken und festigt mit der neu eröffnenden Hochschule der Diakonie Neuendettelsau, des International College and Research Institute, die künftig drei Studiengänge anbietet (Fachhochschulzertifikat Gesundheitsökonom, Bachelor-Studiengang Pädagogik in Gesundheitsberufen und Masterstudiengang Business Administration (MBA) Health Care Management) den Status, krönt mit diesem Titel aber nur eine Jahrhunderte alte bildungspolitische Haltung der Stadt.

Erholungsstadt Fürth
Als Naherholungsraum hat Fürth eine lange grüne Tradition. Schon Daniel Lochners Barockgärten sorgten für Aufsehen und Verbreitung, auch Stadtpark, Stadtwald und die sorgsam gehüteten Hinterhöfe waren Ausdruck einer gepflegten Lebensqualität und dem Willen, den Wohlfühlfaktor der harten Realität der Arbeitsbedingungen entgegenzusetzen. Der neu angelegte Südstadtpark auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne, die Uferpromenade oder die Neupflanzung von Bäumen an Straßenrändern sorgen dafür, dass die Bevölkerung quasi in einer Stadt im Grünen wohnt. Und selbstverständlich trägt die exorbitante Solaraktivität der Stadt dazu bei, die grüne Oase Fürth tragfähig für die Zukunft zu machen.

Solarstadt Fürth
Der Schutz der Umwelt und eine nachhaltige Energiepolitik haben in Fürth Vorrang. Bei der Nutzung der Sonnenenergie belegt Fürth einen vorderen Rang in der Solarbundesliga. Der Solarberg mit seiner Photovoltaikanlage ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden und hat ihr den Namen Solarstadt eingebracht. Ein 800 Meter langer Solarwall am Fuße des Bergs untermauert Fürths Spitzenposition. Die Solaranlagen auf den Dächern öffentlicher und privater Gebäude wachsen rasant. Mit Strom aus Sonnenenergie können bereits 1.250 Fürther Familien versorgt werden. Die Nutzung der Solarenergie, die Umstellung weiterer Haushalte und Betriebe von Heizöl auf Gas und der Einsatz von Erdgasbussen durch die Stadt sind der Anfang vom Ende für viele tausend Tonnen des Klimakillers Kohlendioxid Jahr für Jahr.

Freizeitstadt Fürth
Fürth hat mehr zu bieten als Wohnen und Arbeiten. Egal ob die Spiele der SpVgg im Ronhofer Stadion, Besuche im Playmobilpark mit den Kleinen, Kneipenbummel durch die Gustavstraße oder Wellness im Fürthermare. Fürth hat es verstanden, eine gut ausgewogene Mischung von Freizeitangeboten zu entwickeln, die die Stadt nicht nur beleben, sondern entscheidend dazu beitragen, dass sich das positive Image verbessert und die Bevölkerung sich in hohem Maße mit ihrer Stadt identifiziert. Als im Jahre 2007 das 1000-jährige Stadtjubiläum gefeiert wurde, hielt das Programm die Bürger ein ganzes Jahr in Atem. Publikumsmagneten und touristische Attraktionen sind auch das weit über die Grenzen Fürths bekannte alljährliche Kirchweihvergnügen, das hohe Festival-Aufkommen sowie die Spiele der Spielvereinigung Greuther Fürth.

Soziale Stadt Fürth
Auch bei der Sozialkompetenz hat Fürth schon immer eine Vorreiterrolle eingenommen. Durch die ethnische Vielfalt begann sich früh ein viriles soziales Engagement der unterschiedlichen Bevölkerungsschichten zu entwickeln. Auch die Dreiherrschaft trug der Entwicklung überproportional vielfältiger sozialer Strukturen Rechnung. Gerade im sozialen Engagement hatte auch die jüdische Gemeinde in der Stadt einen nachhaltigen Einfluss. Stifterwesen und Mäzenatentum der reichen Bürgerschaft bescherten der Stadt etliche soziale Einrichtungen, und auch der Bildungsbereich kam hierbei nicht zu kurz. Der Nathanstift, das Berolzheimerianum, und auch freiwillige Unterstützung von Unternehmern bei den Vorläufern der Sozialversicherungen für ihre Beschäftigten sind nur einige wenige Beispiele. Die auch heute noch für Fürth typische große ethnische Vielfalt bedingt ein hohes Maß an sozialer Verantwortung und der Bereitstellung von Einrichtungen, um die positiven Tendenzen soziokultureller Bandbreite aufzeigen und bewahren zu können.

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