Nationalsozialismus und Krieg

Am 15. März 1933 drangen SA-Angehörige in das Stadttheater ein und drangsalierten Oberbürgermeister Dr. Robert Wild, der tags darauf zurücktreten musste. Wild hatte noch im Februar abgelehnt, den Reichskanzler Hitler am Fürther Flughafen zu begrüßen. Der NSDAP Stadt- und Kreisleiter Franz Jakob übernimmt die Macht als Bürgermeister mit dem Aufruf: „Wer glaubt, sich der nationalen Entwicklung der Stadt entgegenstemmen zu können, wird sofort beseitigt werden.“ Er hatte sich bereits vor 1933 als eifriger Parteigänger hervorgetan. Damit war die politische Gleichschaltung in Fürth vollzogen und - so vermerkt Jakob - "keine Ergänzungen mehr vorzunehmen". Nun ging es daran, auch die Vorstände aller übrigen Institutionen und Verbände mehrheitlich mit NSDAP-Mitgliedern zu besetzen.

Nationalsozialismus und Rassismus breiteten sich im Alltagsleben aus, und die verordnete Gesinnung durchzog sämtliche Gremien, von den Gewerkschaften und Handelsverbänden über Mittelstandsversammlungen und Innungen bis hin zu Gesangs- und Kleingärtnervereinen, den Turn- und Schützenvereinen. Auch die Presse bot nur noch ein einziges Meinungsbild, und sämtliche Veranstaltungen fanden jetzt unter der Hakenkreuzfahne statt. Die Fürther Kirchweih als beliebtes Volksfest mit Tradition seit dem Mittelalter bot ebenfalls eine gute Plattform für die Nazipropaganda. Aufmärsche aller Art, von der Hitlerjugend bis zu Sportveranstaltungen, und später auch Truppenaufmärsche, standen zu besonderen Anlässen auf dem Programm. Der 1. Mai wurde zum Tag der nationalen Arbeit erklärt und bot so wiederum eine Bühne für eine NS-Parade.

Teil des Alltagslebens waren die Hetzkampagnen gegen Juden und die Isolation der jüdischen Bevölkerung. Nicht nur mit allgemeinen Verunglimpfungen wurde gegen die Juden vorgegangen, die Zeitungen veröffentlichten auch Namenslisten jüdischer Kaufleute, Ärzte, Rechtsanwälte und anderer Berufsgruppen, die boykottiert werden sollten. Über 350 Geschäfte jüdischer Bürger sind von dieser Hetzkampagne betroffen. Sämtliche jüdischen Beamten werden aus dem Staatsdienst entfernt. So wurde die jüdische Bevölkerung nach und nach aus allen Bereichen des beruflichen und sozialen Lebens gedrängt.
Ferner wurden zahlreiche Personen aus politischen, rassistischen und anderen Gründen verfolgt, misshandelt und/oder ermordet, darunter Kommunisten, Homosexuelle, Sinti und Roma oder andere Gegener des Regimes.

Foto © Stadtarchiv Fürth

In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 war der Mord an dem deutschen Gesandtschaftsrat Ernst von Rath in Paris willkommener Anlass, dem "spontanen Volkszorn" freien Lauf zu lassen. Gegen ein Uhr in der Nacht brachen SA-Leute die Tore zur Hauptsynagoge auf, rissen die Thorarollen aus dem Thoraschrank, zerstörten die Einrichtung und zündeten schließlich das Gebäude an. Die Feuerwehr wurde von Oberbürgermeister Jakob davon abgehalten zu löschen. Sie durfte lediglich das Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude verhindern. Die jüdischen Fürther wurden aus ihren Häusern getrieben. Auch Frauen, Kinder und Alte mussten in der kalten Novembernacht ausharren, wurden gedemütigt und geschlagen. 150 Männer wurden tags darauf in das KZ Dachau deportiert. Der Fürther Daniel Lotter resümierte das Pogrom in seinem Tagebuch: "... Die Schande dieser Tage wird noch in 100 Jahren am deutschen Kleide kleben."

Die Gebäudeschäden in der Innenstadt © Stadtarchiv Fürth

Dabei kam Fürth, was die Schäden durch Luftangriffe anging, noch vergleichsweise glimpflich davon. Nur etwa zehn Prozent der Gebäude waren vollständig zerstört, etliche andere zwar teilweise stark beschädigt, aber reparabel. Die Zahl der Opfer genau zu beziffern, fällt schwer. Eine Zahlenbilanz von 1946 listete "... 2.553 Gefallene, 2.078 Vermisste und 448 Luftkriegsopfer ..." auf. Die aus 1.990 Personen bestehende jüdische Gemeinde existierte nicht mehr.

Schon kurz nach Kriegsbeginn wurde die Bevölkerung bereits durch Propaganda auf drohende Entbehrungen, die der Krieg mit sich bringen würde, vorbereitet. Mit dem Winterhilfswerk und weiteren Sammlungen wurde versucht, den steigenden militärischen Bedarf zu decken. Bald gab es zahlreiche Luftschutzeinrichtungen und Rettungsstellen. Der erste Luftangriff auf Fürth fand bereits im August 1940 statt. Oberbürgermeister Franz Jakob muss Fürth wegen persönlicher Bereicherung verlassen. In die preußische Stadt Thorn nimmt er verschiedene treue Mitarbeiter mit, darunter den Stadtarchivar Schwammberger. Die Aussichten auf den Sieg schwanden für Deutschland zusehends, immer mehr Männer wurden eingezogen, und der restlichen Bevölkerung blieb nur das Ausharren im Luftschutzbunker. Die Luftangriffe nahmen gegen Kriegsende zu. Ziele waren vor allem die "Bachmann & Blumenthal Flugzeugwerke" und andere kriegswichtige Industrie. Zur Verteidigung wurden sogar Schulkinder und Frauen eingesetzt, die als Luftwaffenhelferinnen oder an der Flak verwendet wurden.

Amerikanische Soldaten in der Gustavstraße, 1945
Foto © Stadtarchiv Fürth

Nachdem die amerikanischen Truppen am 17. April 1945 die Stadtgrenze Fürths erreicht hatten und die Stadt einen Tag lang unter Artilleriebeschuss nahmen, konnten auch die gesprengten Brücken den Einmarsch nicht verhindern. Am 19. April 1945 gegen elf Uhr vormittags kapitulierte die Stadt Fürth offiziell. Ohne weitere Kampfhandlungen erfolgte die Besetzung der Stadt. Mit der Entwaffnung und Gefangennahme einiger Truppen endete der Krieg auch in Fürth.

 

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