Sehenswerte Objekte

Feldkiste

Feldkiste
um 1945


Foto © Stadtmuseum Fürth

Die unscheinbare Metallkiste wurde im Februar 2008 bei Bauarbeiten an der Sonnenstraße in Fürth gefunden. Die darin enthaltenen Wehrstammbücher, Gesundheitsbücher, Wehrpässe und Verwundetenabzeichen stammen wohl aus dem Bestand der Schreibstube der 7. Kompanie der Flakersatzabteilung 9 in Fürth. Jüngste Einträge weisen noch auf die Zeit kurz vor der Übergabe von Fürth, also den April 1945, hin.
Es wird angenommen, dass die Feldkiste von in den Kasernen stationierten Soldaten der deutschen Wehrmacht vergraben worden ist. Diese wollten vermutlich den heiklen Inhalt des Kastens vor dem anrückenden amerikanischen Militär verstecken – ohne ihn zu vernichten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergten die Kasernen in der Fürther Südstadt die Streitkräfte der USA. Sie zogen erst 1995 vollständig aus der Kleeblattstadt ab. Danach wurde das Kasernenareal zum Wohngebiet umgestaltet. Bei Baggerarbeiten wurde die Kiste ausgegraben und beschädigt. (Städtische Sammlungen Fürth)

Unser Service für blinde und sehbehinderte Menschen: Beschreibung der Feldkiste    
Die längliche, beigebraune Metallkiste ist 70 cm breit, 35 cm tief und 35 cm hoch. Auf ihrer Frontseite ist ein querliegendes Metallkreuz, das die Kiste von innen stabilisiert, als vorstehender Abdruck zu sehen. Der Deckel konnte mit zwei Metallschnallen an der oberen Vorderseite geschlossen werden. Das Objekt wurde bei Bauarbeiten von einem Bagger ausgegraben und durch dessen Schaufel beschädigt. Deswegen lässt sich der Deckel nicht mehr schließen, ist verbeult und steht dadurch links etwas mehr, rechts etwas weniger offen.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Fürth
Die US-Armee beabsichtigte Nürnberg, eine von Hitler ausgezeichnete „Führerstadt“, genau an dessen 56. Geburtstag am 20. April 1945 zu erobern. Schließlich wurde Fürth von den amerikanischen Streitkräften als eine Art Stadtteil von Nürnberg, von den nationalsozialistischen Machthabern als „westliches Fort“ der „Stadt der Reichsparteitage“ gesehen.
Am 17. April gelangte die 42. US-Infanteriedivision „Rainbow“ an den nordwestlichen Stadtrand von Fürth, nachdem sie Burgfarrnbach, Stadeln, Ronhof und Poppenreuth eingenommen hatte. Am Tag darauf eroberte die Division schließlich das gesamte Fürther Stadtgebiet. Der deutsche Kampfkommandant in der Kleeblattstadt, Georg Flierl, führte an diesem Tag noch einen letzten Gegenangriff durch, bei dem es Tote und Verwundete gab. Am nächsten frühen Morgen verließ er als Letzter den Gefechtsstand im Bahnhofsbunker in Richtung Nürnberg, wo er in Schweinau gefangengenommen wurde. Später begründete er seinen Abzug unter anderem damit, dass er seinen Kampfauftrag als erfüllt ansah, die amerikanischen Streitkräfte so lange wie möglich aufzuhalten.
Die Kapitulation Fürths erfolgte am 19. April 1945. Die amerikanische Armee besetzte das Rathaus und forderte vom kommissarischen Oberbürgermeister Dr. Karl Häupler die Übergabe der Stadt. Häupler wollte die Kapitulationsurkunde zunächst nicht unterschreiben, da er die Rache des NS-Regimes an seiner Familie für seinen „Verrat“ fürchtete. Als ihm der Schutz der US-Armee zugesichert wurde, unterzeichnete er schließlich das entscheidende Schriftstück. Die Verhandlungen bei dieser Aktion führte der Arzt und Leiter der Fürther Militärlazarette Dr. Fritz Gastreich. Dieser war während des Zweiten Weltkriegs führendes Mitglied von zwei Widerstandsgruppen in Fürth. Die Original-Kapitulationsurkunde, ein einfaches Blatt Papier, ist im Stadtmuseum Fürth zu sehen.

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