Sehenswerte Objekte

Zweiter Fürther Bahnhof

Modell des zweiten Ludwigsbahnhofs
2007


Foto © Stadtmuseum Fürth

1885/86 wurde auf der heutigen „Fürther Freiheit“ der Nachfolgebau des mittlerweile zu klein gewordenen und in die Jahre gekommenen Bahnhofs der ersten deutschen Eisenbahn von 1835 errichtet.  Nach der Einstellung des Bahnbetriebs, 1922, beherbergte er unter anderem das Möbelunternehmen Scherer. Um den Platz für Veranstaltungen und Aufmärsche nutzen zu können, wurde der Bahnhof 1938 von den Nationalsozialisten abgerissen.
Das Bahnhofsmodell fertigte Reinhard Thielsch (ehem. Stadtplanungsamt Fürth) im Jahr 2007 im Maßstab 1:160 an. Restauriert und ergänzt wurde es 2015 von Bruno Brütting (Modellbaustudio Franken). Städtische Sammlungen Fürth, mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins Stadtmuseum e.V.

Unser Service für blinde und sehbehinderte Menschen: Beschreibung des Modells des zweiten Ludwigsbahnhofs
Im Vordergrund des Modells ist ein kleiner Park zu sehen, die heutige Dr.-Konrad-Adenauer-Anlage. Bäume, Wege und ein Springbrunnen zieren die Grünanlage. Dahinter befindet sich eine breite gepflasterte Straße, auf der eine Kutsche, ein Auto und Fahrräder fahren. Auch einige Fußgänger sind zu sehen. Der symmetrische Bahnhofsbau erstreckt sich entlang dieser Straße. Sein dreistöckiger Mittelteil besitzt im Erdgeschoss drei bogenförmige Eingänge, darüber befinden sich in jedem der beiden Stockwerke drei Fenster. Oben ist er mit einem flachen Giebel bekrönt. Links und rechts davon sind zweistöckige, mit je zwei Fenstern pro Geschoss versehene Bauteile zu sehen. An sie schließen sich langgestreckte, einstöckige Hallen mit je zwei Eingängen an. Ganz außen wird der Komplex mit jeweils einem zweistöckigen, schmalen Häuschen mit flachem Giebel abgeschlossen. Der Bau ist in Dunkelrot, Säulen, Fensterverkleidungen und alle hervortretenden dekorativen Bauelemente sind in Weiß gehalten.
Hinter dem Bahnhofsgebäude sind drei Schienenstränge angelegt, die alle rechts auf eine Drehscheibe zulaufen. Diese wurde zum Wenden der Lokomotive genutzt. Abgeschlossen wird das Bahnhofsgelände hinter den Schienen mit einem flachen, beigefarbenen Hallengebäude. Um das Grundstück ist an drei Seiten ein Zaun mit Pfeilern gezogen worden.
Das Modell zeigt auch die nächste Umgebung des Bahnhofs: rechts vorne steht das Hotel National mit seinem markanten Eckturm. Gegenüber, entlang der Friedrichstraße, ist eine geschlossene Häuserreihe zu sehen. Den rückwärtigen Abschluss des Modells bildet die ebenso geschlossene Häuserreihe an der heutigen Fürther Freiheit. Alle Bauwerke sind in hellen Beigetönen gestaltet.

Die Ludwigsbahn
Für die industrielle Entwicklung war ein gut funktionierendes Verkehrsnetz wesentlich. Die billige Anlieferung von Rohstoffen und der Transport der massenweise hergestellten Produkte zu Zwischenhändlern garantierten einen günstigen Endpreis und damit den Absatz der Ware.
Die gepflasterte Chaussee von Fürth nach Nürnberg (heute: Nürnberger und Fürther Straße), am Anfang des 19. Jahrhunderts noch unter preußischer Herrschaft gebaut, entwickelte sich zur wichtigsten und vielbefahrenen Verbindung zwischen den beiden Städten. Eine Ermittlung des Verkehrsaufkommens im Januar 1833 brachte eine enorme Zahl – über tausend Fahrzeuge pro Tag – und wurde zu einem der Argumente für den Bau einer Eisenbahnstrecke parallel zur Chaussee.
Die erste mit Dampf betriebene Eisenbahn der Welt fuhr 1825 in England. Das zukunftsweisende Transportmittel war auch finanziell rentabel: Eisenbahnaktien erwiesen sich als attraktive Geldanlage als der Eisenbahnboom einsetzte.
Die Gründung einer Eisenbahngesellschaft in Nürnberg/Fürth erfolgte 1833 durch eine Gruppe bedeutender Persönlichkeiten, unter ihnen der Fürther Bürgermeister Franz Joseph von Bäumen und der Nürnberger Kommunalpolitiker und Sozialreformer Johannes Scharrer. Die Ludwigseisenbahn wurde als private Aktiengesellschaft unter der wohlwollenden Billigung von König Ludwig I. von Bayern betrieben.
Die Lokomotive „Adler“ wurde aus England angeliefert, der Lokomotivführer und Chefingenieur William Wilson kam ebenfalls aus England. Am 7. Dezember 1835 fuhr die Ludwigseisenbahn das erste Mal vom Nürnberger Plärrer zur Fürther Freiheit. Damit nahm die erste Eisenbahn auf deutschem Boden ihren Betrieb auf.

Aus einem Gutachten des Bayerischen Obermedizinalkollegiums 1838:
„Die schnelle Bewegung muß bei den Reisenden unfehlbar eine Gehirnkrankheit, eine besondere Art des ‚delirium furiosum‘ erzeugen. Wollen aber dennoch Reisende dieser gräßlichen Gefahr trotzen, so muß der Staat wenigstens die Zuschauer schützen, denn sonst verfallen diese beim Anblick des schnell dahinfahrenden Dampfwagens genau derselben Gehirnkrankheit. Es ist daher notwendig, die Bahnstelle auf beiden Seiten mit einem hohen Bretterzaun einzufassen.“

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